Von Übergängen und anderen Herausforderungen

Ein Symposium des Netzwerk Autismus zum Thema: „Wenn Menschen mit Autismus erwachsen werden“ am Freitag, 23.3.2012 im J.-J.-Ender Saal in Mäder beleuchtete die schwierigen Übergangsphasen im Leben von Autisten.

Der Umgang mit Veränderungen gehört zur Entwicklung eines jeden Menschen. Für Menschen mit einem Asperger Spektrum Syndrom (ASS) sind Veränderungen aber eine ganz besondere Herausforderung – und in Folge auch für die Menschen die sie begleiten und betreuen. Wie solche Übergänge, von der Schule in die Arbeitswelt, zu einem Studienplatz oder in eine eigene Wohnung, zu bewältigen sind, welche Rahmenbedingungen sich als förderlich erweisen und wie viele der geförderten Menschen in Deutschland u. im internationalen Vergleich erfolgreich in die Arbeitswelt integriert sind, das war das Thema des ersten Vortrags von Prof. M. Dalferth, Regensburg.

Sprechen Sie small talk?

Aus der Welt der Kommunikation berichtete danach die klin. Psychologin Bettina Jenny, die in der Schweiz Jugendliche mit dem ASS unter anderem auch darin trainiert, Kulturtechniken wie beispielsweise small-talk zu beherrschen. Autistische Menschen müssen diese soziale Kontaktaufnahme wie eine Fremdsprache erlernen, da sie sonst mit Gesten, Mimik und ungesagten Informationen zwischen den Zeilen nichts anfangen können. Mit dem gezielten Training zeigt sich allerdings deutlich, wie weit die soziale und kommunikative Kompetenz gesteigert werden kann, so dass der Verbleib in der Regelschule und ein Einstieg ins Arbeitsleben gelingt.

Autist für detailreiche Aufgaben gesucht!

Auch Stefan Müller-Teusler, der dritte Referent des Tages, macht in seinem Vortrag über das Thema „Arbeiten u. Wohnen im Zeitalter der Inklusion“ deutlich, dass das Hollywood-Bild von Rainman nur bedingt mit der Realität zu tun hat. Trotz ähnlichen handicaps gibt es individuelle persönliche Vielfalt und  oft besonders ausgeprägte Fähigkeiten von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung die, unter Berücksichtigung gewisser Rahmenbedingungen, eine erfolgreiche Integration in einem Unternehmen erlauben – und zwar durchaus zum Vorteil aller Beteiligten. Berufliche Perspektiven, Möglichkeiten der Ablösung von den Eltern in betreute Wohnformen, die möglichst eigenständige Entscheidung über alltägliche Dinge, und vor allem Akzeptanz und mehr Verständnis für diese doch besondere Form der Beeinträchtigung sind das Ziel der genannten Maßnahmen, um die Lebensqualität betroffener Menschen zu verbessern. Sie zudem in die gesellschaftliche Mitte einzuschließen ist das Ziel geltender UN-Konventionen für Behindertenrechte.

Über 100 Teilnehmer/innen an einem langen Tag voller Vorträge, Informationen und vertiefenden Workshops bei strahlendem Frühlingswetter zeigen deutlich, dass das Interesse und der Bedarf auch in Vorarlberg groß sind. Dr. Petra Steger-Adami stellte daher auch das psychiatrische Angebot der Autismus-Ambulanz am LKH Rankweil vor. Dr. Wolfram Metzger (pro mente), der gemeinsam mit Renate Vogel (aks) und Petra Girardi (Verein Autistenhilfe) und mit Unterstützung der connexia für das Programm des Tages verantwortlich zeichnet, führte durch den Tag.

Hier finden Sie die Vorträge und Workshops zum Nachlesen:

Prof. Dr. M. Dalferth VortragWorkshop
lic. phil. B. Jenny VortragWorkshop
S. Müller-Teusler Vortrag 1Vortrag 2Workshop
Dr. P. Steger-Adami WorkshopPraxisbeispiele

AUTISMUS sichtbar machen

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