LKH Feldkirch ist Vorarlbergs erstes „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“
Das Landeskrankenhaus Feldkirch ist am 3.11.2026 als erstes Krankenhaus in Vorarlberg mit dem Gütesiegel „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ ausgezeichnet worden. Grundlage ist die erfolgreiche Umsetzung von Qualitätskriterien nach dem gleichnamigen Hamburger Modell. Um Selbsthilfe nachhaltig in den Strukturen des Krankenhauses zu verankern, sind gemeinsam mit dem Dachverband „Selbsthilfe Vorarlberg“ die dafür nötigen Maßnahmen realisiert worden. Dazu zählt neben der verbindlichen Kooperation auch die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle im Spital. Selbsthilfebeauftragter Mag. Harald Bertsch und sein Team der Abteilung Patient:innen-Service werden künftig Patient:innen und Angehörigen gezielte Informationen über Selbsthilfe-Angebote bereitstellen.
Eine Erkrankung bringt für Patient:innen und deren Angehörige oft weit mehr mit sich als medizinische Diagnosen und Behandlungswege. Fragen zum Alltag, Ängste und Unsicherheiten über den Umgang mit den persönlichen Folgen einer Erkrankung begleiten Betroffene mitunter auch über die Zeit des Krankenhausaufenthaltes hinaus. Selbsthilfe kann hier eine wertvolle Ergänzung zur professionellen ärztlichen, pflegerischen, psychiatrischen und psychosozialen Versorgung bieten.
Selbsthilfe nachhaltig verankern
Unter dem Aspekt der neu geschaffenen Anlaufstelle ist auch innerhalb des Krankenhauses die Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen und Fachbereiche intensiviert worden: Mitarbeitende wurden und werden für die Möglichkeiten der Selbsthilfe sensibilisiert und dabei unterstützt, Patient:innen bei Bedarf auf jeweils passende Angebote aufmerksam zu machen. Gleichzeitig erhalten Selbsthilfe-Vertreter:innen die Möglichkeit, ihre Angebote im Krankenhaus sichtbar zu machen und mit den Mitarbeiter:innen in fachlichen Austausch zu treten.
Die besondere Bedeutung des Gütesiegels liegt dabei in der nachhaltigen Verankerung: Selbsthilfe soll nicht vom Engagement einzelner Personen oder zeitlich begrenzten Projekten abhängen, sondern dauerhaft Teil der Krankenhausstrukturen sein. Patient:innen und Angehörige erhalten einen möglichst niederschwelligen Zugang zu den Angeboten und zum Erfahrungswissen anderer Betroffener.
Verbindung zwischen Krankenhaus und Alltag
Der Dachverband Selbsthilfe Vorarlberg übernimmt dabei eine wichtige Brückenfunktion zwischen Betroffenen, Angehörigen, Selbsthilfegruppen und dem professionellen Gesundheits- und Sozialsystem. Mit nahezu 100 Selbsthilfegruppen, Vereinen und Organisationen im Land bringt der Dachverband die Perspektiven und Erfahrungen Betroffener in die Zusammenarbeit ein, unterstützt bei der Vermittlung passender Angebote und begleitet bei Bedarf auch die Gründung neuer Gruppen. „Selbsthilfe ersetzt weder medizinische Behandlung noch professionelle Beratung“, betont Sabine Moosbrugger, Geschäftsführerin des Dachverbandes Selbsthilfe Vorarlberg. „Sie ergänzt diese um eine Perspektive, die im Gesundheitswesen von großer Bedeutung ist: nämlich um das Erfahrungswissen von Menschen, die selbst betroffen sind.“ Für Patient:innen kann das nach der Behandlung eine wichtige Verbindung zwischen Krankenhaus und Alltag schaffen. Der Austausch mit anderen Betroffenen ermöglicht Begegnung auf Augenhöhe, gegenseitige Unterstützung und das Gefühl, mit den Herausforderungen einer Erkrankung nicht allein zu sein.
Pilotprojekt mit Signalwirkung
Ein eigens eingerichtetes Vergabegremium, dem unter anderem Vertreter:innen von Land Vorarlberg und Fachhochschule Vorarlberg angehören, hat den Prozess begleitet und die Erfüllung der vereinbarten Qualitätskriterien überprüft. „Beim Audit Ende September 2026 wurde bestätigt, dass wir die erforderlichen Kriterien und Maßnahmen erfolgreich umgesetzt haben“, freut sich Mag. Harald Bertsch. „Damit erfüllt das LKH Feldkirch die Voraussetzungen für das Gütesiegel und nimmt eine Vorreiterrolle in Vorarlberg ein.“
Auch für den Dachverband Selbsthilfe Vorarlberg ist das LKH Feldkirch ein wichtiges Pilotprojekt. Die während der Zusammenarbeit gewonnenen Erfahrungen sollen künftig dazu beitragen, auch weitere Vorarlberger Krankenhäuser auf ihrem Weg zu selbsthilfefreundlichen Strukturen zu begleiten.
Mit der Auszeichnung setzt das LKH Feldkirch ein klares Zeichen für eine ganzheitliche Patientenorientierung: Professionelle medizinische Kompetenz und das Erfahrungswissen Betroffener werden miteinander verbunden, um Patient:innen und ihre Angehörige auch über die unmittelbare Behandlung hinaus bestmöglich zu unterstützen. „Die Auszeichnung ist für uns eine wertvolle Anerkennung und gleichzeitig ein Auftrag, die Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe weiterzuentwickeln“, schließt Selbsthilfebeauftragter Harald Bertsch.
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